Vermeidung von Rückenschmerzen in Corona-Zeiten

von Lisa Gauch

  • Immer mehr Bundesbürger leiden unter Rückenproblemen
  • Die größten Risiken in der Pandemie: Mehr Home Office und weniger Bewegung
  • ANOA liefert Tipps zur Prävention der schmerzhaften Volkskrankheit

Berlin, 9. Oktober 2020 Aus gutem Grund gelten Rückenschmerzen als Volkskrankheit Nummer 1 in Deutschland: Immer mehr Bundesbürger leiden unter Problemen am Bewegungssystem und der schmerzende Rücken ist inzwischen die häufigste Ursache für die Krankmeldung am Arbeitsplatz. Eine Entwicklung, die durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wird. Denn Fehlbelastungen im provisorischen Home Office sowie ein Mangel an regelmäßiger Bewegung sind Gift für unser Bewegungssystem. Die Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer manualmedizinischer Akut-Kliniken (ANOA) gibt Tipps, wie Rückenschmerzen bzw. chronische Schmerzen am Rücken in Zeiten von COVID-19 vermieden werden können.

1.) Rückenfreundliches Arbeiten

In der Pandemie hat sich Home Office zu einem beliebten Arbeitsmodell entwickelt. Durch die sitzende Tätigkeit am Schreibtisch wird die Wirbelsäule allerdings stark in Anspruch genommen. Umso wichtiger ist es daher, dass der Arbeitsplatz zu Hause ergonomisch eingerichtet ist. In anderen Worten: Wir müssen dafür sorgen, dass Stuhl, Tisch, die Tastatur und der Bildschirm an unsere Körpergröße angepasst bzw. optimal ausgerichtet sind. Empfehlenswert ist dabei ein Stuhl, dessen Sitzfläche leicht nach vorne gebeugt ist. Dadurch ist garantiert, dass unsere Knie nicht stärker als neunzig Grad gebeugt werden. Um Verspannungen im Rücken- oder Nackenbereich zu verhindern, ist es außerdem wichtig, ab und zu aufzustehen, die Gliedmaßen zu strecken oder auch durch andere Tätigkeiten (wie Wäscheaufhängen) Entlastung zu schaffen.

2.) Mehr Bewegung

Bewegung ist nun einmal das A und O für die Vermeidung von Rückenschmerzen. Die oft genannten „10.000 Schritte“ am Tag sind dabei eine gute Richtlinie. Doch werden sie gerade in Zeiten von Corona nur noch selten erreicht: Schließlich fehlt plötzlich der Weg zum und vom Büro im Tagesablauf und so manches Sportstudio musste wegen der neuen Hygieneregeln vorübergehend schließen. Da hilft nur Gegensteuern und andere Formen der Bewegung suchen: Schwimmen im See, Radfahren in der Stadt, Inlineskaten im Park, Tanzen auf der Terrasse, Online-Yoga im Wohnzimmer. – Wichtig ist, dass ich mir eine Sportart suche, die zu mir passt und die mir Freude bereitet, damit ich sie dann auch regelmäßig betreibe. Nur dann ist meinem Rücken wirklich geholfen.

3.) Ausreichend Schlaf

Dass unser Gehirn regelmäßigen Schlaf und Erholungsphasen benötigt, um gut funktionieren zu können, ist vielen Menschen bewusst. Nur wenige sind sich aber im Klaren darüber, dass auch für die Rückengesundheit guter Schlaf sehr wichtig ist: Die Bandscheiben sowie die Rumpfmuskulatur benötigen diese Ruhephase zum Regenerieren. Wer wissen möchte, wie sehr die Bandscheiben im Tagesverlauf in Anspruch genommen werden, sollte sich einmal sowohl morgens als auch abends messen. Das Ergebnis: am Abend sind wir bis zu zwei Zentimeter kleiner als am Morgen; denn die Bandscheiben werden durch die Belastung im Laufe des Tages „ausgequetscht“ und flachen dadurch ab. Dank eines ruhigen und guten Schlafes können sich unsere Bandscheiben in der Nacht erholen und Flüssigkeit aufnehmen, wodurch wir dann wieder wachsen und am Morgen gut vorbereitet auf vor uns liegende Belastungen in den Tag starten können. Daher: auch in der Pandemiezeit unbedingt für ausreichend Schlaf sorgen!

4.) Seelische Belastungen vermeiden

Mit Kontaktbeschränkungen, Hygieneregeln und ersten wirtschaftlichen Folgen hat die Corona-Krise vielerorts zu Verunsicherungen geführt. Die Gefahr: Seelische Belastungen können oftmals zur Entstehung von Rückenschmerzen beitragen. Zudem sind sie meist mit dafür verantwortlich, wenn die Erkrankung chronisch wird. Daher ist es wichtig, sich bei Beschwerden am Bewegungssystem frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen und eventuelle psychosoziale Ursachen abzuklären: Mache ich mir Sorgen um meinen Arbeitsplatz? Leide ich unter den Kontaktbeschränkungen? Welches Problem sitzt mir wortwörtlich „im Nacken“? Denn unabhängig ob in Krisen- oder in „normalen“ Zeiten: Stress wirkt wie Gift auf unseren Organismus. Er führt oftmals dazu, dass wir eine angespannte Haltung einnehmen, wodurch vor allem im Rücken und Halsbereich Verspannungen entstehen. Der beste Weg, aus diesem Teufelskreis auszubrechen: Stressfaktoren, wenn irgend möglich, vermeiden und in anstrengenden Phasen für die nötige Entspannung sorgen. So kann die Muskulatur wieder entkrampfen.

5.) Entspannung

Yoga, autogenes Training oder der meditative Spaziergang im Wald – Techniken, die uns in unserem von Zeitdruck und Anspannung bestimmten Leben zur Ruhe bringen können, gibt es viele. Und mindestens ebenso viele Möglichkeiten, wie wir diese auch unter Abstandsregelungen erlernen können: mit YouTube Videos, dank Ratgeber-Büchern oder mit Hilfe von Apps zum Selberlernen. Als eine der effektivsten Techniken bekannt ist dabei die progressive Muskelentspannung – auch Muskelentspannung nach Jacobsen genannt –, bei der sich der Betroffene auf eine bestimmte Muskelpartie konzentriert, diese bewusst entspannt, dann kurz anspannt und anschließend wieder vollständig entspannt. Dies wird mit weiteren Muskelpartien durchgeführt, bis der gesamte Körper vollständig gelockert ist. Diese Form der Entspannung hilft in der Regel gut dabei, besser mit Stress umzugehen. Doch auch die anderen erwähnten Techniken können gute Resultate bringen: entscheidend ist – ähnlich wie beim Thema Bewegung und Sport –  nicht, WAS wir genau tun, um Beschwerden zu vermeiden, sondern DASS wir etwas tun. Im besten Fall regelmäßig.

Die aufgeführten Tipps stammen von Dr. Jan Holger Holtschmit (ANOA-Präsident und Chefarzt der Abteilung für Konservative Orthopädie am Marienkrankenhaus St. Wendel). Dr. Holtschmit hat in seiner langjährigen Karriere mit seinem Klinik-Team rund 40.000 Patienten mit Rückenbeschwerden behandelt.

Kontakt
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www.anoa-kliniken.de

Über ANOA

Die ANOA (Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer manualmedizinischer Akut-Kliniken) ist eine medizinisch-wissenschaftliche Vereinigung von mittlerweile 30 Akutkrankenhäusern, die im nicht operativen orthopädisch-unfallchirurgischen, manualmedizinischen und schmerztherapeutischen Bereich tätig sind. Patienten mit komplexen und multifaktoriellen Erkrankungen des Bewegungssystems sowie mit chronischen Schmerzerkrankungen benötigen multidisziplinäre und multimodale Diagnostik- und Therapiekonzepte. Im Mittelpunkt des ANOA-Konzeptes stehen daher individualisierte befundorientierte Behandlungen auf neuroorthopädischer Grundlage unter Einbeziehung manualmedizinisch-funktioneller, schmerzmedizinischer und psychotherapeutischer Methoden.

Die ANOA ist der Auffassung, dass nur im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung langfristig wirksame Therapiekonzepte umgesetzt werden können. Dazu hat die ANOA klinische Behandlungspfade mit besonderen Behandlungsschwerpunkten entwickelt. Das ANOA Konzept basiert auf den neuesten medizinischen Erkenntnissen und ist wissenschaftlich überprüft. Die Prozess- und Ergebnisqualität im ANOA Konzept wird kontinuierlich multizentrisch evaluiert. Mit dem 2016 entwickelten ANOA-Zertifikat können Kliniken ihre Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität nachweisen und sichern

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