Das ANOA-Qualitätssiegel

von Lisa Gauch

„ANOA-Qualitätssiegel ist ein wichtiger Imagefaktor für Kliniken“

Berlin, den 11. April 2019 Drei Jahre ist es her, seitdem die ANOA im engen Schulterschluss mit der ClarCert GmbH das Qualitätssiegel ANOA-Cert für Kliniken entwickelt hat. Das Siegel ist eine zusätzliche Auszeichnung, die über die Qualitätsstandards hinausgeht, nach denen Krankenhäuser üblicherweise überprüft werden. Sowohl Mitglieder in der Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer Akutkliniken (ANOA), als auch Nicht-Mitglieder können ihre Klinik nach dem ANOA-Konzept zertifizieren lassen.

Über den Prozess sowie die Vorteile der Zertifizierung informiert Jürgen Fischer, Geschäftsführer der ClarCert GmbH im nachstehenden Interview.

Herr Fischer, Ihre Firma ClarCert hat bereits das Qualitätssiegel endoCert für Endoprothetikzentren erfolgreich etabliert. Was genau kommt auf Kliniken zu, die mit dem ANOA-Cert ausgezeichnet werden möchten?

Jürgen Fischer: Wer Interesse hat, sich zertifizieren zu lassen, dem empfehlen wir zunächst einmal, sich ausführlich mit dem ANOA-Konzept für nichtoperative orthopädische Komplexbehandlungen und vor allem der multiprozessualen Ausrichtung zu beschäftigen. Dabei wird die Klinik sehr wahrscheinlich feststellen, was sie noch benötigt, um den besonderen Anforderungen des Konzeptes hundertprozentig gerecht zu werden. Auf dieser Grundlage können seitens der Klinik in einem ersten Schritt entsprechende Maßnahmen ergriffen, wie zum Beispiel die Therapieanforderungen erweitert werden. Erst danach ist es sinnvoll, eine offizielle Anfrage bei uns zu starten. Sofern die Strukturangaben weitestgehend erfüllt sind, erstellt ClarCert ein individuelles Angebot. Im Anschluss wird die Klinik bei uns den Antrag zur Einleitung des Zertifizierungsverfahrens einreichen. Sobald dieser bei uns eingeht, werden wir drei Gutachter beauftragen – einen Orthopäden, einen Psychologen und einen Systemauditor –, einen Tag lang vor Ort die Strukturen sowie die prozessualen Abläufe und Ergebnisse umfassend zu prüfen. Untersucht werden zum Beispiel die Ausstattung der Klinik und die Behandlungsinhalte in ihrer Qualität und Quantität. Zudem werden Angaben zur Anzahl von Fach-, Stations- und Oberärzten, von Weiterbildungsmöglichkeiten des Personals und die Verfügbarkeiten moderner, medizinischer Geräte genauestens erfasst. Wird während des Audits eine Nicht-Konformität festgestellt, muss diese innerhalb von drei Monaten korrigiert werden. Sobald die Abweichungen behoben sind und vom Fachexperten bewertet wurden, werden die Unterlagen an den Ausschuss Zertifikaterteilung weitergegeben. Dieser entscheidet dann, ob das Zertifikat durch ClarCert ausgestellt werden kann oder nicht.

Das klingt nach einem umfassenden Verfahren. Wie lange dauert denn solch ein Prozess, der mit dem ANOA-Cert belohnt wird?

Jürgen Fischer: Von der Entscheidung der Klinik, das Qualitätssiegel zu beantragen bis zur letztendlichen Zertifizierung kann in etwa ein halbes Jahr vergehen.

Und wenn die Klinik das Qualitätssiegel dann schließlich in Händen hält, ist es dann unbeschränkt gültig? Ähnlich wie der Führerschein, der ja ein Leben lang gilt, vorausgesetzt natürlich, ich halte mich an die Straßenverkehrsordnung?

Jürgen Fischer: Gegenfrage: Möchten Sie im Straßenverkehr einem über Achtzigjährigen begegnen, der mit gravierenden Seheinschränkungen noch am Steuer sitzt? Mit Sicherheit nicht! Die Praxis zeigt doch, dass Zertifikate, die keine eingeschränkte Gültigkeitsdauer haben, das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Jeder Pilot und jede Stewardess beispielsweise muss eine jährliche Kontrolle über sich ergehen lassen. Dementsprechend ist auch das ANOA-Zertifikat kein Freifahrtschein für Kliniken, sondern wird regelmäßig nach einem standardisierten Vorgehen überprüft, das ausgerichtet wurde nach internationaler Norm. Konkret gesagt: Nach einem sowie nach zwei Jahren werden von uns die Unterlagen der Klinken erneut angefordert und wir bewerten, ob nach wie vor alle Voraussetzungen gegeben sind, um die Zertifizierung aufrecht zu erhalten. Nach Ablauf von drei Jahren wird das Audit wiederholt, allerdings dann nur noch von zwei Gutachtern. Diese regelmäßigen Kontrollen sind unumgänglich, um das hohe Qualitätsniveau der Zertifizierung zu garantieren und um sicherzustellen, dass sämtliche Anforderungen auch weiterhin erfüllt werden. Schließlich kann es in jeder Klinik beispielsweise zu einer Fluktuation von Personal kommen, die dazu führt, dass die Interprofessionalität nicht mehr wie gefordert garantiert ist. Darüber hinaus können sich natürlich auch Anforderungen im Rahmen des ANOA-Konzeptes ändern, da dieses ja auf Grundlage langjähriger Erfahrungen im Sinne der Patienten kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Und wenn ich mich als Klinik dazu entscheide, einfach „nur“ Mitglied bei der ANOA zu sein und auf den komplexen Prozess der Zertifizierung zu verzichten? Ist das nicht ebenso gut? Die ANOA als Marke verfügt doch mittlerweile bundesweit über einen hervorragenden Ruf ...

Jürgen Fischer: Die ANOA verfügt in der Tat über einen sehr guten Ruf. Festzustellen ist, dass es einen entscheidenden Unterschied zwischen einer ANOA-Klinik ohne Qualitätssiegel und einer Klinik, die nach ANOA-Cert zertifiziert wurde, gibt. Das Zertifikat bescheinigt nach externer Prüfung schwarz auf weiß, dass das ANOA Konzept im klinischen Alltag qualitativ hochwertig umgesetzt und dass auf höchstem medizinischen Qualitätsniveau gearbeitet wird. Aus diesem Grunde ist es sehr wünschenswert, wenn sich sämtliche 29 ANOA-Kliniken der Zertifizierung stellen würden.

Wie genau profitiert denn die Klinik davon, sich nach ANOA-Cert zertifizieren zu lassen?

Jürgen Fischer: Ohne jeden Zweifel in erheblichem Maße; denn ANOA-Cert ist eindeutig ein wichtiger Imagefaktor für Kliniken. Zum Beispiel hat das Qualitätssiegel große Vorteile für die Patientenakquise. Die Klinik kann sich mit der Auszeichnung schmücken und nach außen überzeugend darstellen, dass nicht nur die operative Orthopädie, sondern auch das ANOA-Konzept in Gänze beherrscht wird. Für die Akquise von Zuweisern ist die Zertifizierung natürlich ebenfalls sehr hilfreich. Ergänzend hierzu darf man auch nicht unterschätzen, in welchem Maße die Zertifizierung nach innen wirkt: durch das gezielte Aneinanderschalten von Therapiebausteinen wird ab sofort nicht mehr nur nach gutem Wissen und Gewissen agiert, sondern die prozessuale Organisation der Klinik wird optimiert. Für die Klinik bedeutet das ganz eindeutig einen größeren Benefit, da ressourcensparend gearbeitet wird.

Also wirkt die Zertifizierung gleich auf verschiedenen Ebenen sehr positiv. Wie profitiert denn der Patient von der Qualitätssicherung des ANOA-Konzeptes?

Jürgen Fischer: Der Patient kann sich mit Hilfe des Qualitätssiegels viel besser orientieren als früher und ganz einfach feststellen, in welchen Kliniken er die bestmögliche Behandlung für seine Schmerzerkrankung bekommt. Mit ANOA-Cert wird ihm für seine Behandlung im Krankenhaus ein einheitlicher höchstmöglicher Standard garantiert – und das sowohl in Bezug auf die Ausstattung der Kliniken als auch beispielsweise in Bezug auf die Qualifikation und die Anzahl der Mitarbeiter.

Das sind ja alles sehr gute Nachrichten. Haben Sie demzufolge mit ANOA-Cert in den vergangenen drei Jahren das erreicht, was sie sich vorgenommen haben?

Jürgen Fischer: Wir haben die Bekanntheit des Qualitätssiegels ohne jeden Zweifel gesteigert, allerdings wollen wir – in enger Zusammenarbeit mit der ANOA – noch weitaus mehr erreichen. Unser Ziel ist es, dass das ANOA-Konzept und die Zertifizierung in einem nächsten Schritt auch in die operativen Kliniken getragen werden, wenn diese auch mit konservativen Behandlungsschwerpunkten arbeiten. Sowohl konservative als auch operative Kliniken – wir sprechen hier von etwa 80 bis 120 bundesweit – wären dazu in der Lage, der ANOA beizutreten und sich zertifizieren zu lassen. Hierzu ist es natürlich erforderlich, dass sowohl Ärzte als auch Patienten ein stärkeres Bewusstsein für die Effizienz des ANOA-Konzeptes entwickeln. Das wäre ein großer Schritt im Sinne der Patienten.

Kontakt
Pressebüro ANOA
Natascha Kompatzki // Mobil: 0176 70 40 43 74
mail@natascha-kompatzki.de

Geschäftsstelle ANOA
Lisa Gauch
Hospitalgasse 11
55430 Oberwesel
Telefon: 06744/712-156
info@anoa-kliniken.de
www.anoa-kliniken.de

Über ANOA

Die ANOA (Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer Akut-Kliniken) ist eine medizinisch-wissenschaftliche Vereinigung von mittlerweile 29 Akutkrankenhäusern, die im nicht operativen orthopädisch-unfallchirurgischen, manualmedizinischen und schmerztherapeutischen Bereich tätig sind. Patienten mit komplexen und multifaktoriellen Erkrankungen des Bewegungssystems sowie mit chronischen Schmerzerkrankungen benötigen multidisziplinäre und multimodale Diagnostik- und Therapiekonzepte. Im Mittelpunkt des ANOA-Konzeptes stehen daher individualisierte befundorientierte Behandlungen auf neuroorthopädischer Grundlage unter Einbeziehung manualmedizinisch-funktioneller, schmerzmedizinischer und psychotherapeutischer Methoden.

Die ANOA ist der Auffassung, dass nur im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung langfristig wirksame Therapiekonzepte umgesetzt werden können. Dazu hat die ANOA klinische Behandlungspfade mit besonderen Behandlungsschwerpunkten entwickelt. Das ANOA Konzept basiert auf den neuesten medizinischen Erkenntnissen und ist wissenschaftlich überprüft. Die Prozess- und Ergebnisqualität im ANOA Konzept wird kontinuierlich multizentrisch evaluiert. Mit dem 2016 entwickelten ANOA-Zertifikat können Kliniken ihre Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität nachweisen und sichern.

Pressemitteilung zum Download »
Bild Jürgen Fischer zum Download »

Zurück