Das erste Weißbuch

von Ida Gaus

Kürzlich erschienen: Das erste Weißbuch „Konservative Orthopädie und Unfallchirurgie“ der DGOU und des BVOU

10 Forderungen, wie die konservative Therapie gestärkt werden kann

Berlin, den 10. Februar 2018 Mit dem im Herbst vergangenen Jahres erschienenen Weißbuch haben die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) eine Bestandsaufnahme über konservative Möglichkeiten in ihrem Fach vorgelegt. Das zentrale Fazit der Veröffentlichung: Die nicht-chirurgische Behandlung in Orthopädie und Unfallchirurgie muss dringend gestärkt werden – ausbildungsmäßig, wissenschaftlich und monetär.

In zehn Forderungen erklären die Autoren der Publikation, wie genau dies erfolgen kann, damit gute Behandlungskonzepte flächendeckend für alle Patienten zur Verfügung stehen. Sowohl das umfangreiche Spektrum an therapeutischen Optionen als auch gängige diagnostische Verfahren für diverse Erkrankungen und Verletzungen sowie die Vernetzung und die Kooperation werden hierbei thematisiert. Aber auch Fragen zu Prävention, Qualitätssicherung, zur Forschung sowie zur Aus- und Weiterbildung werden im erstmals erschienenen Weißbuch behandelt.

 Drei von vier Bundesbürgern litten laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung im Jahr 2016 an Schmerzen in Muskeln, Knochen oder Gelenken. Eine Operation ist meist jedoch nicht angezeigt. „Konservative Behandlungsmethoden wie manuelle Medizin, Schmerztherapie oder Physiotherapie können in den meisten Fällen viel bewirken: risikoarm Schmerzen lindern, das Fortschreiten der Erkrankung bremsen und die Beweglichkeit und somit auch die Lebensqualität des Patienten nachhaltig verbessern“, sagt Dr. Matthias Psczolla, einer der Herausgeber des Weißbuchs und Geschäftsführer der ANOA (Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer Akut-Kliniken).

 Doch die Anzahl der Schmerzpatienten wird – gerade auch vor dem Hintergrund der Alterung der Gesellschaft – in den kommenden Jahren absehbar weiter ansteigen. Die Autoren des Weißbuchs erwarten daher Versorgungsengpässe, falls die konservative Therapie nicht aufgewertet wird.

Konservative Medizin befindet sich im Aufwärtstrend

 Ein weiterer Grund, der für den Ausbau konservativer Behandlungsmethoden spricht: Nicht-operative Behandlungen erleben im stationären Bereich derzeit ein Revival. Zahlen des Statistischen Bundesamtes untermauern diese Entwicklung. „Während vor allem im akut-stationären Bereich die konservative Therapie lange Zeit vernachlässigt wurde, werden heute Immer mehr Patienten mit Erkrankungen am Muskel-/SkelettSystem konservativ behandelt“, ist auch Psczolla überzeugt. Patienten und Krankenkassen würden immer öfter im Rahmen des Zweitmeinungsverfahrens bei Ärzten anfragen, ob nicht doch eine konservative Behandlung einer angedachten Operation vorgeschaltet werden könne.

„Die stationär konservative Behandlung erfährt derzeit ein Revival“, bringt Psczolla seine Beobachtungen daher auf den Punkt und verweist auf das ANOA-Konzept, das in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren entstanden ist. Der Verbund, der sich auf akute und chronifizierte Erkrankungen des Bewegungssystems einschließlich einem breiten Spektrum von Schmerzerkrankungen spezialisiert hat, umfasst inzwischen 28 Kliniken und sei international einmalig. Mit dem ANOA-Konzept könne die konservative Therapie nicht mehr nur ambulant, sondern auch wieder stationär durchgeführt werden.

Gute Weiterbildung im Fokus

Damit gute konservative Behandlungskonzepte auch in Zukunft allen Schmerzpatienten, die Bedarf haben, zur Verfügung stehen, machen die Autoren des Weißbuches in ihrer Veröffentlichung auch auf die Themen „Weiterbildung“ und „Kooperation mit nicht-ärztlichen Fachberufen“ aufmerksam.

Dr. Matthias Psczolla: „Die sichere und erfolgreiche Anwendung konservativer Behandlungsmethoden erfordert ein Zusammenspiel mehrerer wichtiger Komponenten: eine gute Weiterbildung aller Orthopäden und Unfallchirurgen, eine intensive Zusammenarbeit mit Patienten und die Kooperation mit nicht-ärztlichen Fachberufen wie Physiotherapeuten und Orthopädietechnikern. Dem muss dann auch in den Bereichen Qualifizierung und Vergütung entsprechend Rechnung getragen werden.“ Weiterbildungskliniken mit konservativen Schwerpunkten und Weiterbildungsverbünde zwischen Kliniken und Praxen seien ein erster wichtiger Schritt.

Gestärkt werden sollte – so die Feststellung der Autoren des Weißbuches – auch die Grundlagen- und Versorgungsforschung in diesem Bereich; denn viele konservative Methoden, wie etwa die manuelle Medizin, beruhen bislang auf Erfahrungswerten. „Wir müssen daher in klinischen Studien untersuchen, welche Patienten von diesen Therapien am meisten profitieren und auf diese Weise eine evidenzbasierte Grundlage dafür schaffen.“

Kontakt

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Ida Gaus
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www.anoa-kliniken.de

Über ANOA

Die ANOA (Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer Akut-Kliniken) ist eine medizinisch-wissenschaftliche Vereinigung von mittlerweile 28 Akutkrankenhäusern, die im nicht operativen orthopädisch-unfallchirurgischen, manualmedizinischen und schmerztherapeutischen Bereich tätig sind. Patienten mit komplexen und multifaktoriellen Erkrankungen des Bewegungssystems sowie mit chronischen Schmerzerkrankungen benötigen multidisziplinäre und multimodale Diagnostik- und Therapiekonzepte. Im Mittelpunkt des ANOA-Konzeptes stehen daher individualisierte befundorientierte Behandlungen auf neuroorthopädischer Grundlage unter Einbeziehung manualmedizinisch-funktioneller, schmerzmedizinischer und psychotherapeutischer Methoden.  

Die ANOA ist der Auffassung, dass nur im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung langfristig wirksame Therapiekonzepte umgesetzt werden können. Dazu hat die ANOA klinische Behandlungspfade mit besonderen Behandlungsschwerpunkten entwickelt. Das ANOA Konzept basiert auf den neuesten medizinischen Erkenntnissen und ist wissenschaftlich überprüft. Die Prozess- und Ergebnisqualität im ANOA Konzept wird kontinuierlich multizentrisch evaluiert. Mit dem 2016 entwickelten ANOA-Zertifikat können Kliniken ihre Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität nachweisen und sichern.

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