Prof. Dr. Bernd Kladny im Gespräch

von Julia Gräff

„Die nicht-operative Therapie hat wieder mehr Bedeutung und bekommt größere Aufmerksamkeit“

Prof. Dr. Bernd Kladny im Gespräch über seine neue Tätigkeit als DGOU-Generalsekretär und seine langjährigen Erfahrungen als Chefarzt der ANOA Fachklinik Herzogenaurach

Herr Prof. Dr. Kladny, am 1. Januar haben Sie Ihr neues Amt als Generalsekretär der DGOU angetreten. Was steht für Sie in den kommenden Monaten im Fokus?

Kladny: Die Themen, die mich in dieser Funktion beschäftigen, sind ausgesprochen vielfältig. So bewegt die DGOU gerade in diesen Wochen sehr, wie sich das veränderte politische Umfeld in den kommenden Jahren auf die Medizin auswirken könnte.
Zudem spielen für uns die Fragen der Nachwuchsförderung und der Fort- und Weiterbildung permanent eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund haben wir kürzlich unsere Akademie, die AOUC, gegründet, die wir nun in den kommenden Monaten arbeitsfähig machen wollen. Wir denken darüber nach, mit welchen Inhalten und in welchen Formaten Kongresse, Tagungen und Symposien in Zukunft zu gestalten sind und welche Wege wir unter Einsatz moderner Medien in der Fortbildung- und Weiterbildung gehen müssen. Ebenfalls sehr akut ist für uns die Frage, wie wir in Zeiten, in denen die eigene Work-Life Balance verstärkt in den Fokus rückt, junge Kollegen und Kolleginnen dafür begeistern, sich gerne und mit Engagement den Aufgaben einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft zu stellen. Das ist jedoch nur ein kleiner Ausschnitt der Themen, die uns in der DGOU derzeit bewegen. Denn natürlich stehen bei uns Sicherheit und Qualität in der Patientenversorgung ganz oben auf der Agenda. Da werden wir auch bei sich verändernden Bedingungen im Gesundheitssystem fest an der Seite unserer Patienten stehen.

Das klingt in der Tat nach einem Fulltime-Job. Für die DGOU sind Sie allerdings ehrenamtlich tätig. Hauptberuflich arbeiten Sie als ANOA Chefarzt in der Fachklinik Herzogenaurach. Welche Schnittstellen gibt es zwischen der DGOU und der ANOA bzw. was sind die bisherigen Früchte Ihrer Zusammenarbeit?

Kladny: Bei meiner Arbeit als Chefarzt bekomme ich natürlich täglich die Themen sowie die Probleme bei der Patientenversorgung hautnah mit. So war die nicht-operative Therapie in der Vergangenheit ganz eindeutig nicht gut repräsentiert. Das hat sich vor allem auch dank der ANOA verändert. Gemeinsam haben wir Strategien entwickelt, wie man das Thema der konservativen Orthopädie und Unfallchirurgie voranbringt.
Wie gesagt ist es nicht einfach, mit diesem Bereich in den Medien und in der Ärzteschaft für Aufmerksamkeit zu sorgen. Aber es ist uns im engen Schulterschluss von Fachgesellschaft und Berufsverband– zum Beispiel auch mit der Veröffentlichung des Weißbuches Ende vergangenen Jahres – gelungen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und der konservativen, nicht-operativer Therapie in unserem Fach wieder eine wesentlich größere Aufmerksamkeit und einen höheren Stellenwert zu verschaffen.
Ganz konkret kann ich sagen, dass die ANOA-Kliniken es ausgesprochen gut verstanden haben, die nicht-operative Therapie des spezifischen Kreuzschmerzes in die Öffentlichkeit zu bringen und darauf aufmerksam zu machen, dass auch komplexere Fälle oftmals sehr erfolgreich nicht-operativ behandelt werden können. Zudem ist es der Initiative der ANOA zu verdanken, eine Abrechnungsposition dafür zu schaffen, die dem Aufwand einer komplexen stationären multimodalen Behandlung gerecht wird.

In den letzten Wochen war den Medien zu entnehmen, dass nicht-operative Behandlungen im stationären Bereich zunehmend im Trend liegen. Können Sie diese Entwicklung bestätigen?

Kladny: Definitiv. Nicht-operative Behandlungen erleben im stationären Bereich derzeit auch nach meinen Beobachtungen ganz eindeutig ein Revival. Zu oft wird allerdings die Notwendigkeit einer nicht-operativen Therapie im stationären Setting in Frage gestellt. Bei einer Operation ist die Notwendigkeit einer stationären Behandlung dagegen unstrittig. Da braucht es gute und nachvollziehbare konservative Konzepte und eine sehr gute Dokumentation. Dazu treffen uns die Auswirkungen der Demographie auch im nicht-operativen Bereich. Gerade bei einer immer älter werdenden Bevölkerung müssen die Ärzte viel Geduld und Zeit aufbringen. Das ist nicht nur durch Geriatrie abzubilden. Der alte Mensch in der fachspezifischen Behandlung wird eine Herausforderung.

Die Fachklinik Herzogenaurach, in der Sie als Chefarzt die Orthopädische Abteilung leiten, ist von einem großen Magazin gerade mit dem Titel „Top-Rehaklinik 2018“ ausgezeichnet worden. Die Klinik ist zugleich Reha- und ANOA-Akutklinik. Was genau ist der Unterschied von der Indikation her, bzw. wann ist welcher Patient in Ihrer Klinik in der richtigen Versorgung?

Kladny: Das ist ganz einfach zu erklären: Wir haben sowohl Reha- als auch Krankenhausbetten. Dabei erfolgt die Therapie im Rahmen des ANOA-Konzeptes ausschließlich in den Krankenhausbetten. Patienten, die dort behandelt werden, wurden uns zugewiesen, weil ihre Therapieziele mit den Mitteln der ambulanten Medizin nicht erreichbar waren. In der Regel haben diese Patienten so starke Schmerzen, dass sie nicht rehafähig sind. Daher müssen sie erst einmal ein für sie geeignetes Therapiekonzept durchlaufen, damit die Schmerzen abnehmen.
In der Rehabilitation erhalten die Patienten dann ein intensives Behandlungsprogramm, das sie letzten Endes dazu befähigt, wieder am Berufsleben teilzunehmen oder zu Hause zurechtzukommen. Zusammenfassend Krankenhausbehandlung zur Reduktion der Schmerzen und Rehabilitation zur Wiederherstellung oder zum Erhalt von Aktivitäten und Partizipation, insbesondere Erwerbsfähigkeit und Selbstversorgungsfähigkeit.

Neben Ihrer Funktion als DGOU-Generalsekretär und ihrer full-time-Tätigkeit als Chefarzt nehmen Sie, wie Ihre Vita zeigt, viele weitere Mitgliedschaften und Aufgaben wahr. Wie schaffen Sie das zeitlich? Was ist Ihr Geheimnis?

Kladny: Eine gute Frage. Ich denke, es ist in erster Linie ein Zusammenspiel von drei Faktoren: Erstens brauchen Sie sehr gute Teams – sowohl in der Klinik als auch in den Fachgesellschaften. Alleine geht das nicht. Da gilt mein ganz großer Dank allen, die mich bei meinen Aufgaben unterstützen. Dann spielt die Selbstdisziplin eine wichtige Rolle. Man muss in allen Bereichen ständig am Ball bleiben. Der wichtige dritte Punkt: Verständnis und Unterstützung im privaten Umfeld. Ich bin sehr dankbar, dass ich in meinem Leben immer darauf zählen konnte.

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Über ANOA
Die ANOA (Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer Akut-Kliniken) ist eine medizinisch-wissenschaftliche Vereinigung von mittlerweile 28 Akutkrankenhäusern, die im nicht operativen orthopädisch-unfallchirurgischen, manualmedizinischen und schmerztherapeutischen Bereich tätig sind. Patienten mit komplexen und multifaktoriellen Erkrankungen des Bewegungssystems sowie mit chronischen Schmerzerkrankungen benötigen multidisziplinäre und multimodale Diagnostik- und Therapiekonzepte. Im Mittelpunkt des ANOA-Konzeptes stehen daher individualisierte befundorientierte Behandlungen auf neuroorthopädischer Grundlage unter Einbeziehung manualmedizinisch-funktioneller, schmerzmedizinischer und psychotherapeutischer Methoden.

Die ANOA ist der Auffassung, dass nur im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung langfristig wirksame Therapiekonzepte umgesetzt werden können. Dazu hat die ANOA klinische Behandlungspfade mit besonderen Behandlungsschwerpunkten entwickelt. Das ANOA Konzept basiert auf den neuesten medizinischen Erkenntnissen und ist wissenschaftlich überprüft. Die Prozess- und Ergebnisqualität im ANOA Konzept wird kontinuierlich multizentrisch evaluiert. Mit dem 2016 entwickelten ANOA-Zertifikat können Kliniken ihre Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität nachweisen und sichern.

Vita Bernd Kladny 

Bernd Kladny (57) studierte von 1981 bis 1987 Humanmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, wo er 1988 promovierte. Von 1988 bis 1989 war er wissenschaftlicher Assistent an der Orthopädischen Universitätsklinik Erlangen. 1989 und 1990 arbeitete er als Assistenzarzt an der Unfallchirurgischen Klinik und der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Von dort wechselte er wieder an die Orthopädische Universitätsklinik Erlangen am Waldkrankenhaus St. Marien. 1994 erwarb er den Facharzt für Orthopädie und wurde zum Oberarzt ernannt. Im Jahr 1996 erfolgte die Berufung zum Chefarzt der Orthopädischen Abteilung der Fachklinik Herzogenaurach. 1996 habilitierte er sich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und erhielt im Jahr 2003 eine außerplanmäßige Professur der Medizinischen Fakultät. 2007 erwarb er den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Kladny wirkte 2009 als Präsident der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden (VSO). 2013 übernahm er für ein Jahr die Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Seit 2015 ist Kladny Generalsekretär der DGOOC. Im gleichen Jahr war er Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), von 2016 bis 2017 stellvertretender DGOU-Generalsekretär und seit 2018 erneut Generalsekretär der DGOU. Die DGOU mit Sitz in Berlin ist eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie vertritt die Interessen des Faches Orthopädie und Unfallchirurgie im Bereich der Forschung, Lehre, Fort- und Weiterbildung, Klinik und Praxis sowie im ordnungspolitischen Rahmen der Gesundheitspolitik.

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